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Winter – Rapfen

Ich weiß was die meisten von euch diesen Winter sicherlich nicht gemacht haben. Gezielt auf Rapfen zu fischen, und zwar mit Hardbaits. Diesen Wunsch hatte bestimmt schon jeder einmal, der im Sommer Jagd auf den pfeilschnellen Räuber macht. Bis tief in den November kann man den Rapfen in den großen Flüssen noch gut und erfolgreich befischen, wenn sich das Wasser noch nicht so rasch abgekühlt hat. Doch was ist danach? Bleiben sie in den Flüssen und legen sich zum Überwintern auf Grund? Vielleicht in der Nähe von Futterfischschwärmen? Oder ziehen sie sich zurück in ruhigere Häfen? Fragen, die bis jetzt nie beantwortet werden konnten. Durch Zufallsfänge beim Zanderfischen mit Shad und Co. hat sich jedoch bestätigt, dass wir mit unseren Vermutungen richtig lagen. Mit diesen ‚Zufallsfängen‘ konnte und wollte ich mich jedoch nicht abfinden. Was folgte, war ein zielloses Umherfischen in den Gewässern rund um den Rhein: Kleine und große Häfen, Altarme und Mündungsbereiche von kleineren Flüssen. Hin und wieder gab es einen kurzen Kontakt mit den Rapfen, bis sich die Silbertorpedos dann ab Mitte Januar jedoch ganz verabschiedeten und die Zufallsbisse ausblieben. Aber ich ließ nicht locker und angelte mir über mehrere Winter die Finger wund. Bis ich dann ein paar Fangfotos von einem Bekannten sah. Die   Bilder wurden im Januar, Februar,und März aufgenommen, also war ich mit meinem Hirngespinnst nicht allein – jedoch blieb ich in diesem Zeitraum erfolglos.

Nach langem Betrachten der Bilder (mein Bekannter hüllte sich über das Wann, Wo und Wie noch in Schweigen) wurde mir langsam klar, dass ich an den falschen Plätzen gesucht hatte. Bis der Groschen dann endlich fiel: Ein Großteil der Rapfen bleibt nicht in der Nähe ihrer Sommerplätze, sondern wandert ab. Und zwar in die kleineren Nebenflüsse, hier in NRW zum Beispiel die Sieg, Wupper oder die Erft. Nur Warum? Liegt es an der leicht erhöhten Wassertemperatur oder ziehen sie wie die Meerforellen oder die Barben zum Laichen aus den großen in die kleineren Flüsse? Letzteres trifft wohl eher auf die o.g. Vermutung. Einige der Rapfen hatten zum Ende der Winterperiode – gegen Mitte März – einen Laichausschlag ähnlich wie die Brassen einen bekommen. Außerdem erklärt das auch ihr aggressives Jagd- bzw. Fressverhalten, das sie an den Tag legen. Und zwar schon ab der ersten Januarwoche. Ganz gleich ob schon der erste Schnee liegt und sich am Ufer Randeis bildet, der Energiebedarf beim Laichen scheint immens groß zu sein. Die Rapfen schlagen sich in den Monaten zuvor noch ordentlich die Bäuche voll. Wie im Sommer sieht man sie hin und wieder die Wasseroberfläche durchbrechen, doch häufig spielt sich das Rauben eine Etage tiefer ab. Was wir bisher leider noch nicht beobachten konnten, war das Laichgeschäft selbst. Wir fanden in der Nähe unserer Angelplätze eine größere Anhäufung an Laichkuhlen, ähnlich wie bei den Meerforellen. Meerforellen ziehen bekanntlich die kleineren Flüsse weit auf, doch unsere Angelplätze befanden sich auf den letzten Kilometern vor der Mündung. Weit und breit war keine Meerforelle in Sicht und nach der Anzahl der Laichkuhlen hätte man irgendwann eine sehen müssen. Also sind wir uns ziemlich sicher, dass diese von den Rapfen stammen.

Kommen wir jetzt jedoch zur alles entscheidenden Frage. Wie gehen wir die Sache ‚Winterrapfen‘ in Bezug Strategie, Tackle und Taktik an? Kurze Antwort: Mit Suchen und viel Geduld! Mit der typischen Sommer-Strategie – verdächtige Plätze mit ein paar Würfen abfischen und zum nächsten Spot wandern – liegt der Hauptgewinn außer Reichweite. Eher gewinnen wir hiermit vielleicht einen Trostpreis in Form eines ‚Zufallsrapfens‘. In der kalten Jahreszeit sind die Fressphasen der Silbertorpedos kurz aber heftig. Zwei Strategien führen uns jetzt zum Erfolg: Eine verdächtige Stelle,wie z.B. eine tiefe Kurve, lange und akribisch abfischen. Mit lange meine ich 30 bis 45 Minuten! Oder man konzentriert sich auf zwei bis drei dicht beieinander liegende Spots und fischt diese mehrmals hintereinander ab. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt tendiere ich eher zu Alternative zwei. Bewegung wirkt der Kälte entgegen und lässt die Konzentration auch nicht so schnell schwinden. Hat man nur noch den warmen Ofen im Sinn, vergeigt man schnell eine heftige Rapfenattacke und der Silbertorpedo schüttelt sich in Sekundenschnelle vom Köder.

Heiße – Spots

Wie schon erwähnt, sind tiefe Kurven oder flache Abschnitte mit ausgespülten Randbereichen heiße Winterrapfen-Spots. Um herauszufinden ob dort Rapfen aktiv sind, ist Geduld gefragt. Denn wie eingangs erwähnt, sind die Fressphasen äußerst kurz. Lieber mal den Spot etwas länger im Auge halten und den Köder auswerfen, als den Spot zu früh zu wechseln. Der Anbiss kommt meist unverhofft. Das ist mir bereits des Öfteren passiert, als ich gedanklich schon beim nächsten Spot war. Da haute es einem förmlich die Rute aus der Hand. An manchen Tagen, vor allem bei Schönwetterlagen, können dann weitere Fische am gleichen Spot folgen. Es macht also durchaus Sinn, dort ein paar Würfe mehr zu wagen. Denn es gibt sie auch im Winter, die bekannten Sternstunden. Sie sind zwar rar gesät, aber wenn, dann knallt es richtig. Vier bis sechs Fische in Folge und das in kürzester Zeit. Man bedenke, dass Winter ist; die Rapfen scheinen sich wohl an ihr kurzes Intermezzo zu halten. Der ganze Spuk dauert dann meist nur eine Stunde, bis wieder Stille herrscht und man sich fragt, ob man das nur geträumt hat. Oft bleibt es jedoch bei einem Fisch, aber glauben sie mir, es sind nicht die Kleinsten die im Winter an die Rute gehen. Wenn ich mir meine Fangstatistik anschaue, sind die Fische im Durchschnitt um die 70cm lang. Außerhalb der ‚gewohnten‘ Saison gar nicht so schlecht. Und vorallem beißen sie auf meine heiß geliebten Hardbaits. Im Winter werden diese von vielen Anglern nämlich meist eingemottet.

Tackle

Für mich als Hardbaitjunkie ist das Winterangeln auf Rapfen eine neue Offenbarung. Ok, ich hab’s schon mal mit Gummi (Shads) probiert, aber eher Hänger provoziert als Rapfen gedrillt. Denn in den kleinen/flachen Flüssen benötigt der Köder nicht viel Tiefgang. Selten fischt man dort in Wassertiefen von mehr als 2 Metern, flach laufende Minnows oder Cranks reichen völlig aus. Man sollte die Hardbaits jedoch auf Strömungstauglichkeit prüfen. Nicht jeder Wobbler läuft in diesen schnell fließenden Gewässern stabil. Bestens geeignet sind Minnows mit einer schmalen Tauchlippe und einem niedrigen Schwerpunkt und Crankbaits mit flacher Tauchlippe. Cranks mit einer gewöhnlich breiten Tauchlippenform neigen bei diesem hohen Wasserdruck zum Verdrehen und provozieren eher Fehlbisse als einen fetten ‚Strike‘. Die Rapfen stürzen sich jetzt eher aus der Tiefe auf ihre Beute, als wie im Sommer von hinten zuzuschlagen. Damit sie Energiereserven sparen können, kleben sie förmlich am Grund und lauern mit dem Blick nach oben gerichtet auf Beute, die mit einem kurzen Sprint zu erreichen ist.

Um die starken Silbertorpedos im Drill gut kontrollieren zu können und trotzdem eine perfekte Köderperformance zu gewährleisten, haben sich Ruten mit einem ’slow oder regular taper‘ bewährt. Vom Einsatz schnellerer bzw. härterer Ruten, in Verbindung mit einer geflochtenen Schnur, rate ich allerdings ab. Crankbaits und Minnows neigen bei zu viel Wasserdruck, wie wir sie mit dieser Kombination aufbauen würden, zum Verdrehen in der Längsachse. Sie laufen sozusagen mehr auf der Seite oder rotieren fröhlich vor sich hin, was die Fehlbissrate deutlich erhöht.

Der flexible Teil der ’slow und regular taper‘ Ruten beträgt nur ca. 30% ihrer Gesamtlänge, also genug Rückrat, um den heftigen Drill zu fokussieren. Aber auch wenn man dem Winterrapfen genügend entgegenzusetzen hat, gewinnt der harte Kämpfer so manches Mal und zurück bleibt ein aufgebogener Drilling. Mir kommt es so vor, als wenn sich die Rapfen beim Drill im Winter mehr ins Zeug legen als in der warmen Jahreszeit.

Ich persönlich hätte jetzt nichts gegen ein paar Grad mehr. Vor allem sind die Winterrapfen nicht mit Topwaterbaits zu fangen, was im Sommer das Schüppchen mehr Fun bringt. Also Daumen drücken, dass sich die Silbertorpedos in den großen Flüssen bald wieder an der Wasseroberfläche zeigen.


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